Das Bild zeigt den neuen inklusiven Spielplatz aus der Vogelperspektive.
Bild: Firma Flöter & Uszkureit

Ein Spielplatz für alle? Inklusion ganz konkret

Am FEZ ist ein neuer inklusiver Spielplatz entstanden. Was macht ihn besonders? Welche Ideen der Kinder sind in die Planung eingeflossen? Und was bedeutet Inklusion eigentlich ganz praktisch, wenn es um Spiel, Bewegung und Begegnung geht? Darüber haben wir mit Landschaftsarchitektin Birgit Teichmann gesprochen.

„Ein inklusiver Spielplatz heißt nicht: alle können alles. Sondern: für alle ist etwas da.“ 

 
FEZ-Blog: Frau Teichmann, am FEZ-Berlin eröffnete im Mai ein neuer, inklusiver Spielplatz. Was ist am neuen Spielplatz im FEZ besonders? 

Birgit Teichmann: Inklusion spielt heute bei vielen Spielplatzplanungen eine größere Rolle als noch vor einigen Jahren. Das Besondere ist in diesem Fall, wie intensiv dieses Thema hier zusammen mit dem FEZ verfolgt worden ist. Das FEZ wird von sehr unterschiedlichen Kindern, Familien und Gruppen genutzt, darunter auch vielen mit besonderen Bedarfen. Deshalb war von Anfang an klar: Dieser Spielplatz soll nicht nur einzelne inklusive Elemente bekommen, sondern insgesamt so gedacht werden, dass deutlich mehr Kinder ihn wirklich nutzen können. 

Kinder haben gesagt: „Auf dem alten Spielplatz gibt es nichts für uns.“ 

 
Wie ist die Planung entstanden? 

Vor der eigentlichen Planung gab es im FEZ einen Beteiligungsworkshop mit Schüler*innen der Charlotte-Kniese-Schule und der Carl-Linné-Schule. Die Kinder haben den alten Spielplatz besucht, analysiert und sehr klar gesagt: Auf diesem Spielplatz gibt es für uns eigentlich nichts. Das war eine wichtige Rückmeldung. 

Die Kinder haben dann Wünsche formuliert, Modelle gebaut und Ideen entwickelt. Das FEZ hat diese Beteiligung sehr gut dokumentiert, und diese Ergebnisse waren für unsere Planung maßgeblich. Natürlich prüfen wir als Planer*innen, was technisch, finanziell und räumlich umsetzbar ist. Aber viele der Impulse aus der Beteiligung sind tatsächlich in den Entwurf eingeflossen. 

Viele Wünsche wurden schon im ersten Bauabschnitt umgesetzt 

 
Welche Kinderwünsche sind im ersten Bauabschnitt bereits Realität geworden? 

Ein zentrales Element ist das große Kletter- und Spielgerät. Es ist so gestaltet, dass man auf verschiedenen Wegen hinaufkommen kann, unter anderem über rollstuhlbefahrbare Rampen. Es gibt dort auch sensorische und motorische Spielelemente sowie ein Röhrentelefon, das für viele Kinder erreichbar ist. 

Dazu kommt ein Wasserspielbereich mit einer besonders niedrig angebrachten Pumpe, die auch vom Rollstuhl aus bedient werden kann. Statt eines klassischen Schwengels gibt es eine Kurbel. Das ist nicht nur eine Frage der Barrierefreiheit, sondern fördert auch das Miteinander: Eine Person kurbelt, damit eine andere unten mit dem Wasser spielen kann. So entstehen Kommunikation, Absprachen und gemeinsames Spiel. 

Außerdem gibt es einen rollstuhlunterfahrbaren Matschtisch, unterfahrbare Tisch-Sitz-Kombinationen, ein teilweise befahrbares Labyrinth, eine Motorikanlage und eine besondere Nestschaukel. Die Kinder hatten sich außerdem Höhlen und Rückzugsorte gewünscht. Daraus ist unter anderem eine Tunnelröhre entstanden, die noch farbig gestaltet wird. 

Inklusion heißt auch: Orientierung, Rückzug und verschiedene Wege 

 
Woran erkennt man konkret, dass der Spielplatz inklusiv gedacht wurde? 

Inklusion zeigt sich nicht nur an einzelnen Geräten. Wichtig ist das Zusammenspiel vieler Elemente. Dazu gehören zum Beispiel Orientierungshilfen im Gelände: Der zentrale Treffpunkt ist auffällig gelb gestaltet, Wege und Übergänge sind farblich differenziert, Tore heben sich deutlich vom Zaun ab. Das hilft Kindern und Erwachsenen, sich besser zu orientieren. 

Auch die Wegestruktur ist wichtig. Es gibt obere und untere Rundwege sowie verbindende Wege dazwischen. Fast alle Wege sind so angelegt, dass sie auch von Rollstuhlfahrenden genutzt werden können. Gleichzeitig gibt es unterschiedliche Schwierigkeitsgrade. Denn ein inklusiver Spielplatz soll nicht alles einebnen, sondern Angebote für verschiedene Bedürfnisse machen. 

Für Kinder, die Ruhe brauchen oder auf Reize empfindlich reagieren, haben wir am Rand kleine Rückzugsorte vorgesehen. Es gibt also Beobachtungspunkte mitten im Geschehen, aber auch geschützte Bereiche für Pausen und Rückzug. 

„Es muss für alle etwas da sein.“ 

 
Was bedeutet Inklusion für Sie in der Spielplatzplanung? 

Für mich heißt Inklusion nicht, dass jede Person überall hinkommen und alles machen muss. Das ist weder realistisch noch pädagogisch sinnvoll. Entscheidend ist: Es muss für alle etwas da sein. 

Ein Spielplatz soll auch Herausforderungen bieten. Kinder sollen ausprobieren, üben, Grenzen erfahren und Fähigkeiten entwickeln. Deshalb planen wir nach dem Prinzip: so sicher wie nötig, aber nicht so sicher wie möglich. Kinder sollen lernen, Risiken einzuschätzen und Selbstvertrauen zu gewinnen. Das gehört zum Spielen dazu. 

Natürliche Materialien sprechen viele Sinne an 

 
Spielt auch die Materialauswahl eine Rolle? 

Ja, sehr sogar. Wir haben, wo immer es möglich war, Naturmaterialien verwendet: Holz, Findlinge, unterschiedliche Oberflächen. Das schafft vielfältige Sinneserfahrungen. Jeder Stein fühlt sich anders an, Holz reagiert anders als Metall, Formen und Strukturen laden zum Entdecken ein. 

Gerade für Kinder, die intensive sensorische Erfahrungen suchen oder brauchen, ist das wichtig. Gleichzeitig mussten wir natürlich auch an Pflege, Haltbarkeit und Sicherheit denken. Deshalb haben wir an manchen Stellen auch robustere Materialien eingesetzt, etwa im Wasserspielbereich oder bei stark beanspruchten Konstruktionen. 

Zweiter Bauabschnitt: Noch mehr inklusive Angebote geplant 

 
Der erste Bauabschnitt ist jetzt eröffnet. Was fehlt noch? 

Es gibt bereits einen Plan für einen zweiten Bauabschnitt, aber dafür ist die Finanzierung noch offen. Dort sind weitere wichtige inklusive Elemente vorgesehen: ein inklusives Karussell, ein inklusives Trampolin, eine inklusive Wippe und eine besondere Schaukel mit Schalensitz. Außerdem ist ein Bereich für Jugendliche geplant, mit einem kleinen Spielfeld, höhenverstellbarem Basketballkorb und Pavillon. 

Gerade für ältere Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen gibt es oft zu wenig passende Angebote im öffentlichen Raum. Das war uns wichtig mitzudenken. 

Ein Projekt, das auch vom Austausch mit anderen Ländern profitiert 

 
Sie haben im Gespräch auch Kanada erwähnt. Welche Rolle spielt der internationale Austausch? 

Ich bin in einer internationalen Fachvereinigung aktiv, der International School Grounds Alliance. Dort tauschen wir uns über Schulhöfe, Spielräume und inklusive Gestaltung aus. In Kanada wird manches schneller umgesetzt als bei uns, gerade beim Thema Inklusion. Von dort kommen interessante Impulse. 

Ein Beispiel sind zusätzliche Griffe an Treppen oder verschiedene Aufstiegsvarianten an Spielgeräten. Das sind manchmal kleine Maßnahmen, die in der Praxis aber einen großen Unterschied machen können. Solches Wissen fließt in unsere Arbeit ein — und umgekehrt teilen wir unsere Erfahrungen natürlich auch wieder international. 

Ein Spielplatz, der mit der Praxis weiterlernt 

 
Würden Sie sagen, das ist ein Leuchtturmprojekt? 

Ich würde sagen: Es ist auf jeden Fall ein Projekt mit Modellcharakter. Aber kein Spielplatz ist von Anfang an perfekt. Entscheidend wird sein, wie er tatsächlich genutzt wird. Daraus kann man lernen und bei Bedarf auch nachsteuern. 

Mir ist wichtig, dass man den Spielplatz nicht als starres Konzept versteht. Wenn sich in der Praxis zeigt, dass etwas noch verbessert oder ergänzt werden sollte, dann sollte genau das möglich sein. 

Spiel, Begegnung und Klimaanpassung zusammendenken 

 
Spielt auch das Thema Klimaanpassung eine Rolle? 

Ja. Wir haben viele neue Bäume gepflanzt, die langfristig Schatten spenden werden. Außerdem versickert das Oberflächenwasser vor Ort, und wir haben auf möglichst wenig Versiegelung geachtet. Pflanzen, wassergebundene Bereiche und Materialien wie Holzhackschnitzel können helfen, das Mikroklima zu verbessern. 

Auch das Wasserspiel ist natürlich im Sommer ein wichtiger Faktor. Wenn später zusätzlicher Sonnenschutz nötig wird, kann man darüber nachdenken. Aber unser Ansatz war zunächst: so naturnah, robust und pflegeleicht wie möglich. 

Weitere Informationen über den neuen Spielplatz am FEZ-Berlin findest du in unserer Pressemitteilung.