12. Schülerfirmenmesse im FEZ
© Oliver Wolff

„Die Messe ist kein Showroom, sie ist Lernraum“

Unternehmen gründen, Verantwortung übernehmen, Barrieren abbauen: Auf der 12. Schülerfirmenmesse im FEZ-Berlin zeigten rund 50 Teams aus neun Bundesländern, was junge Menschen bewegen können, wenn man ihnen echten Gestaltungsspielraum gibt. Projektleiterin Kristin spricht im Rückblick über Mut, Inklusion – und warum diese Messe mehr Lernraum als Showbühne ist.

Wenn Jugendliche eigene Unternehmen gründen, wird Schule plötzlich konkret: Sie entwickeln Produkte, kalkulieren Preise, verhandeln, präsentieren, tragen Verantwortung – und erleben unmittelbar, was ihr Handeln bewirkt. Genau das ist die Idee einer Schülerfirma. Die bundesweite Schülerfirmenmesse im FEZ-Berlin bringt diese Lernorte einmal im Jahr zusammen. Hier präsentieren sich die Teams, tauschen Erfahrungen aus, knüpfen Kontakte – und wachsen über sich hinaus. In diesem Jahr stand die Messe besonders im Zeichen von Teilhabe und Barrierefreiheit.

Liebe Kristin, die Schülerfirmenmesse hat dieses Jahr neue Höhen erreicht. Was hat dich persönlich besonders beeindruckt?
Mich beeindruckt jedes Mal die Mischung aus Mut, Selbstbewusstsein und Leichtigkeit. Egal ob Förderschule, Gymnasium oder Berufsschule – die Jugendlichen sind mit einer Selbstverständlichkeit und Professionalität aufeinander zugegangen, als hätten sie schon immer zusammengearbeitet. Diese Offenheit war dieses Jahr besonders spürbar. Sicherlich auch durch verbindende Elemente wie die Foyerbühne, das Awareness-Team, die Wettbewerbe und die Tausch-Challenge.



Besonders wichtig war euch, dass das Bühnenprogramm vollständig gebärdensprachlich begleitet wird – eine Premiere fürs FEZ-Berlin. Warum lag dir so viel daran?
Mir war wichtig, dass alle Jugendlichen den gleichen Zugang zum Programm haben – ohne Hürden, ohne Umwege. Die DGS-Begleitung (DGS steht für Deutsche Gebärdensprache, Anm. d. Red.) hat die Messe ruhiger und zugleich größer gemacht. Viele haben zum ersten Mal erlebt, wie selbstverständlich Barrierefreiheit aussehen kann – und wie subtil Barrieren oft sind. Das wurde besonders deutlich, als wir eines der Gewinner-Videos des Reel-Wettbewerbs ohne Ton gezeigt haben, weil Untertitel fehlten. Nicht, um jemanden bloßzustellen, sondern um gemeinsam zu spüren, wie es ist, vor so einer Barriere zu stehen.

Was hat dieser Moment mit dem Publikum gemacht?
Die Stille im Raum war etwas, das wir gemeinsam aushalten mussten. Unser Grundsatz war: Entweder alle haben Zugang – oder niemand. Das Video war so gut produziert, dass es auch ohne Ton funktionierte. Aber die Erfahrung, ausgeschlossen zu sein, war spürbar. Genau darum ging es.

Worin liegt der pädagogische Anspruch einer solchen Messe?
Für uns bedeutet partizipative Eventpädagogik: Jugendlichen und Kindern echte Verantwortung zu übergeben. Die Messe ist kein Showroom, sie ist Lernraum. Die Jugendlichen verhandeln, organisieren, präsentieren, lösen Probleme und vernetzen sich – real, nicht simuliert. Dieser Anspruch zeigt sich auch organisatorisch: Wir planen die Messe gemeinsam im Team Partizipation und lebenslanges Lernen und mit den youngprojects. Peer-to-peer ist für uns kein Schlagwort, sondern Praxis – von jungen Menschen, für junge Menschen.

Und was nehmen die Jugendlichen mit – außer ihrem Umsatz?
Vor allem Stolz. Und das Gefühl: „Ich kann das wirklich.“ Viele wachsen über sich hinaus – beim ersten Verkauf, beim spontanen Pitch oder im Gespräch mit anderen. Diese Erfahrung bleibt länger als jeder Erlös.

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