Wenn Jugendliche eigene Unternehmen gründen, wird Schule plötzlich konkret: Sie entwickeln Produkte, kalkulieren Preise, verhandeln, präsentieren, tragen Verantwortung – und erleben unmittelbar, was ihr Handeln bewirkt. Genau das ist die Idee einer Schülerfirma. Die bundesweite Schülerfirmenmesse im FEZ-Berlin bringt diese Lernorte alle zwei Jahre zusammen. Hier präsentieren sich Schülerfirmen und ihre Teams, tauschen Erfahrungen aus, knüpfen Kontakte – und wachsen über sich hinaus. In diesem Jahr stand die Messe besonders im Zeichen von Teilhabe und Barrierefreiheit.
Liebe Kristin, die Schülerfirmenmesse hat dieses Jahr neue Höhen erreicht. Was hat dich persönlich besonders beeindruckt?
Mich beeindruckt jedes Mal die Mischung aus Mut, Selbstbewusstsein und Leichtigkeit. Egal ob Förderschule, Gymnasium oder Berufsschule – die Jugendlichen sind mit einer Selbstverständlichkeit und Professionalität aufeinander zugegangen, als hätten sie schon immer zusammengearbeitet. Diese Offenheit war dieses Jahr besonders spürbar. Sicherlich auch durch verbindende Elemente wie die Foyerbühne, das Awareness-Team, die Wettbewerbe und die Tausch-Challenge.





Besonders wichtig war euch, dass das Bühnenprogramm vollständig gebärdensprachlich begleitet wird – eine Premiere fürs FEZ-Berlin. Warum lag dir so viel daran?
Mir war wichtig, dass alle Jugendlichen den gleichen Zugang zum Programm haben – ohne Hürden, ohne Umwege. Die DGS-Begleitung (DGS steht für Deutsche Gebärdensprache, Anm. d. Red.) hat die Messe ruhiger und zugleich größer gemacht. Viele haben zum ersten Mal erlebt, wie selbstverständlich Barriereabbau aussehen kann – und wie subtil Barrieren oft sind. Das wurde besonders deutlich, als wir eines der Gewinner-Videos des Reel-Wettbewerbs ohne Ton gezeigt haben, weil Untertitel fehlten. Nicht, um jemanden bloßzustellen, sondern um gemeinsam zu spüren, wie es ist, vor so einer Barriere zu stehen.
Was hat dieser Moment mit dem Publikum gemacht?
Die Stille im Raum war etwas, das wir gemeinsam aushalten mussten. Unser Grundsatz war: Entweder alle haben Zugang – oder niemand. Das Video war so gut produziert, dass es auch ohne Ton funktionierte. Aber die Erfahrung, von etwas ausgeschlossen zu sein, war für einige neu und spürbar. Genau darum ging es.
Worin liegt der pädagogische Anspruch einer solchen Messe?
Für uns bedeutet partizipative Eventpädagogik: Jugendlichen und Kindern echte Verantwortung zu übergeben. Die Messe ist kein Showroom, sie ist Lernraum. Die Jugendlichen verhandeln, organisieren, präsentieren, lösen Probleme und vernetzen sich – real, nicht simuliert. Dieser Anspruch zeigt sich auch organisatorisch: Wir planen die Messe gemeinsam im Team Partizipation und lebenslanges Lernen und mit den youngprojects. Peer-to-peer ist für uns kein Schlagwort, sondern Praxis – von jungen Menschen, für junge Menschen.
Wie funktioniert die Arbeit in der Projektleitung ganz konkret?
Die Projektleitung ist bewusst als Team aufgestellt. Wir bündeln darin unterschiedlichen Kompetenzen und teilen die Aufgaben: vom pädagogischen Konzept über die Abstimmung mit Schulen und Partnerorganisationen bis hin zur Gesamtkoordination der Messe. Eine zentrale Rolle in der Koordination übernehmen dabei Florian Hecht und Lilian Anaeto. Wichtig ist: Wir verteilen nicht nur Aufgaben, wir tragen das Projekt gemeinsam. Das stärkt die Qualität der Veranstaltung und macht uns flexibel, wenn kurzfristig Änderungen nötig sind. Und davon gibt es bei einer Messe dieser Größe immer einige.
Und was nehmen die Jugendlichen mit – außer ihrem Umsatz?
Vor allem Stolz. Und das Gefühl: „Ich kann das wirklich.“ Viele wachsen über sich hinaus – beim ersten Verkauf, beim spontanen Pitch oder im Gespräch mit anderen. Diese Erfahrung bleibt länger als jeder Erlös.
Noch mehr Eindrücke und Bilder von der 12. Schülerfirmenmesse im FEZ findest du in unserem Rückblick.







