Claudia Lorenz und Stefan Ostermeyer | ALICE - Museum für Kinder im FEZ | Green Planet Berlin
Claudia Lorenz und Stefan Ostermeyer bei der Eröffnung der Austellung Green Planet Berlin im FEZ. © Oliver Wolff

„Ich kann etwas verändern – und bin nicht allein“

Mit GREEN PLANET BERLIN wird Klimaschutz greifbar: In der interaktiven Ausstellung erleben Kinder und Familien, wie Klima, Stadt und Energie direkt mit ihrem Alltag verbunden sind. Kuratorin Claudia Lorenz erklärt im Kurz-Interview, wie es gelingt, komplexe Themen wie Klimaschutz kindsgerecht aufzubereiten.

Liebe Claudia, das ALICE – Museum für Kinder hat eine neue Ausstellung, du hast sie – gemeinsam mit Stefan Ostermeyer – kuratiert. Was ist eure zentrale Idee hinter GREEN PLANET BERLIN? Was sollten Kinder hier auf gar keinen Fall verpassen?

Die zentrale Leitidee von GREEN PLANET BERLIN ist, das Thema Klima lebendig und konkret erfahrbar zu machen – direkt vor der eigenen Haustür. Es ging uns darum, eine Ausstellung zu gestalten, die alle Sinne anspricht und viele Möglichkeiten eröffnet, selbst aktiv zu werden. Kinder und Familien sollen nicht nur Informationen aufnehmen, sondern sich einbringen, ausprobieren und eigene Fragen entwickeln. Interaktive Stationen wie der „Rülpsende Einkaufswagen“ oder der offene „Aktionscampus“ laden genau dazu ein. Am Ende sollen die Besucher*innen die Ausstellung mit dem Gefühl verlassen: Ich kann etwas verändern – und ich bin damit nicht allein.

Die Ausstellung versteht sich als „Labor und Lösung“. Wie gelingt es, komplexe Themen wie Klimaschutz, Stadtentwicklung und Energie so aufzubereiten, dass Kinder sich ernst genommen fühlen – und nicht belehrt?

Bei zu viel Belehrung schaltet man schnell auf Durchzug. Deshalb setzen wir konsequent auf einen spielerisch-entdeckenden Ansatz. Gerade bei komplexen Themen ist eine gute kindgerechte Übersetzung entscheidend – ohne die Inhalte zu vereinfachen oder zu verharmlosen. Unsere Mitmachstationen knüpfen an die Lebenswelt der Kinder an. In der „Energie-Zentrale“ etwa erzeugen sie selbst Strom, indem sie in die Pedale treten. Im „Stadtlabor“ begegnen sie einer typischen Berliner Stadtkulisse mit Späti, Hinterhöfen und Straßen. So entsteht ein direkter Bezug zum eigenen Alltag, der neugierig macht und zum Weiterdenken anregt.

Die Ausstellungsidee entstand im Austausch mit Kindern und Jugendlichen. Welche ihrer Fragen oder Ideen haben euch besonders geprägt?

Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen war von Anfang an zentral. In einer einjährigen „Feldforschung“ haben wir rund 250 Kinder und Jugendliche in Workshops nach ihren Vorstellungen einer nachhaltigen Stadt gefragt. Besonders eindrücklich war der Workshop „Berlin macht mobil“ im Donaukiez in Neukölln. Dort entwickelten Jugendliche gemeinsam Ideen für eine Straße der Zukunft und diskutierten direkt mit Anwohner*innen. Der gemeinsam produzierte Klima-Rap aus diesem Projekt ist heute Teil der Ausstellung und bringt die Stimmen der Jugendlichen unmittelbar ein.

Ein besonderes Merkmal ist der Fokus auf Gefühle, etwa in der „Sound-Höhle der Gefühle“. Warum war euch das wichtig?

Die Klimakrise ist nicht nur ein sachliches, sondern auch ein emotionales Thema. Viele Menschen – Kinder wie Erwachsene – empfinden Angst, Wut, Ohnmacht, aber auch Hoffnung. Mit der „Sound-Höhle der Gefühle“ wollten wir diesen Emotionen Raum geben, ohne sie zu bewerten. Musik, Klänge und kurze O-Töne erzeugen einen Soundtrack, der zum Innehalten und Nachdenken einlädt. Dabei wird spürbar: Alle Gefühle sind erlaubt! Und zugleich wird deutlich, wie viel stärker wir sind, wenn wir gemeinsam handeln.

Viele Familien sorgen sich angesichts der Klimakrise um die Zukunft. Kann GREEN PLANET BERLIN Zuversicht schaffen?

Wir können nicht auf alle drängenden Fragen Antworten geben. Aber GREEN PLANET BERLIN will Mut machen und Lust auf Zukunft wecken. Uns geht es weniger um Problemaufzählungen als um Ideen, Kreativität und Handlungsspielräume. Die Ausstellung zeigt Menschen und Projekte, die bereits etwas verändern – auf lokaler Ebene, ganz konkret. Unsere Umwelt-Held*innen beweisen, dass Veränderung möglich ist. Es geht darum, in den Dialog zu kommen und neue Perspektiven zu entwickeln, statt in einfachen Kategorien von „richtig“ und „falsch“ zu denken.

Ausstellungspatin ist Astronautin Rabea Rogge. Welche Bedeutung hat ihre Perspektive für die Ausstellung?

Rabea Rogge steht für den besonderen Blick auf unseren Planeten als Ganzes. Der Blick aus dem All macht deutlich, wie verletzlich und zugleich einzigartig die Erde ist. Diese Perspektive passt sehr gut zur Ausstellung, weil sie Zusammenhänge sichtbar macht und daran erinnert, dass wir alle Teil desselben Systems sind.

Was wünschst du dir, dass Familien nach dem Besuch von GREEN PLANET BERLIN mit nach Hause nehmen?

Ich wünsche mir, dass Familien mit einem Lächeln und vielen neuen Ideen nach Hause gehen. Dass sie spüren: Es gibt Handlungsmöglichkeiten, und niemand steht mit der Klimakrise allein da. Die nachhaltige Stadt der Zukunft ist mehr als Gebäude und Straßen: Es braucht Gemeinschaft, Teilhabe und einen achtsamen Umgang mit unseren Ressourcen.

Die interaktive Ausstellung GREEN PLANET BERLIN präsentiert euch inspirierende Ideen, Projekte und Menschen, die Berlin in eine ökologische Stadt der Zukunft verwandeln wollen. Gleichzeitig bietet sie Mitmachstationen, bei denen ihr nach genialen Lösungen für eine grünere Stadt und gesündere Welt sucht. Mehr Infos

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