Liebe Hannah, was zeichnet richtig gutes Kinder- und Jugendtheater aus?
Richtig gutes Kinder- und Jugendtheater denkt konsequent vom Publikum aus. Kinder sollen im Saal alles tun dürfen, wonach ihnen gerade ist: mitsingen, klatschen, tanzen oder auch einfach mal eine Pause machen. Ein Theaterraum für junges Publikum ist lebendig – und genau das ist seine Stärke. Entscheidend ist für mich der Dialog. Stücke erwachen erst dann wirklich zum Leben, wenn sie ihr Publikum aktiv einbeziehen. Theater für junge Menschen ist kein Monolog, sondern ein gemeinsamer Moment.
Dazu kommen niedrigschwellige Stoffe, für die es weder eine Einführung noch ein dickes Programmheft braucht. Gutes Theater traut seinem Publikum etwas zu. Kinder brauchen keine Vereinfachung. Sie sind oft sehr offen für starke Bilder, ungewöhnliche Formen und Erzählweisen – viel mehr als wir Erwachsenen. Gutes Theater nimmt Kinder ernst und begegnet ihnen auf Augenhöhe.
Die Kinderkulturbörse bringt internationale Produktionen ins FEZ: Wonach wählt ihr aus, wen ihr einladet?
Die Bewerbungen laufen über den Veranstalter Claudius Beck, der einen großen Pool an Produktionen zusammenstellt. Daraus wählen wir die Stücke aus, die sich im FEZ technisch und räumlich realisieren lassen. Unser Anspruch ist, möglichst viele unterschiedliche künstlerische Handschriften abzubilden – innerhalb dessen, was vor Ort umsetzbar ist.
Worauf können sich Familien und Fachpublikum dieses Jahr einstellen?
Die 27. Kinderkulturbörse im April 2026 bietet ein außergewöhnlich breites Programm: An zwei Tagen werden in fünf Sälen und im Freigelände 47 Produktionen aus fünf Ländern gezeigt. Das Spektrum reicht von Figuren- und Objekttheater über Schauspiel und Konzertformate bis hin zu Erzähltheater, Artistik, Varieté, Clownerie, Zauberei und Schattentheater.
Kann ein Kinderkulturfestival der Berliner Theaterlandschaft Impulse mitgeben?
Mehr als das: Die Kinderkulturbörse ist Festival und Fachmesse zugleich. Veranstalter*innen können hier Produktionen live erleben und direkt für ihre eigenen Spielpläne buchen. Gleichzeitig entstehen neue Kontakte, Netzwerke und Kooperationen. In diesem Sinne ist die Börse weniger ein Impulsgeber, sondern vielmehr ein lebendiger Marktplatz, der künstlerischen Austausch ermöglicht und Theaterlandschaft aktiv weiterentwickelt.






